Turnen in der Schule und im Verein

Turnen in der Schule und im Verein kann unter verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet werden. Im allgemeinen Kinderturnen wird an Geräten wesentlichg freier und wneiger normorientiert geturnt. In der Schule findet eine Mischung aus normiertem und normfreien Turnen statt, wobei die Bildungspläne immer stärker  das normfreie Turnen, das vom wettkampforientierten Gerätturnen losgelöst ist, in den Fokus rückt. Im Verein dagegen finden fast ausschließlich normgebundene Inhalte des sogenannten kanonischen Turnens Eingang in das Gerätturnen und Kunstturnen.

Turnen ist heutzutage weitaus differenzierter zu betrachten, als allgemein angenommen wird. So umfasst Turnen mittlerweile 4 Olympische und 21 Nicht-Olympische Sportarten. Rund 4,8 Millionen Mitglieder zählt der Deutsche Turnerbund, so dass die Turner nach dem Deutschen Fußballbund (DFB) als zweitgrößter Spitzenverband im Deutschen Sportbund (DSB) vertreten sind. Mit 1,9 Millionen Kindern und Jugendlichen ist er sogar der größte Verband Deutschlands für Schülerinnen und Schüler (vgl. DTB, 2004). Dies zeigt: Turnen ist "in".

In der Schule und im Schulsport scheint das Turnen dagegen "out" zu sein. Ob das an der mangelnden Motivation der Schüler, am gesellschaftlichen Wandel oder am Boom anderer Sportarten liegt, wurde bis heute nicht erforscht. Ein Umstand trägt auf jeden Fall dazu bei: Turnen, im Sinne des klassischen Gerätturnens, wird nach wie vor sehr häufig in traditionellen Formen durchgeführt, auch wenn es zahlreiche didaktische Positionen gibt, die andere Möglichkeiten aufzeigen.

Ebenfalls werden neuere Entwicklungen in Lehrerfortbildungen zu wenig berücksichtigt und die einschlägige Fachliteratur tendiert dazu, Gerätturnen zu sehr als Wettkampfsportart anzubieten. Offensichtlich scheint dies für den Schulsport eine Sackgasse zu sein, denn immer mehr Lehrer turnen mit ihren Schülern zwischenzeitlich überhaupt nicht mehr. So liegt Turnen nach einer Untersuchung in Südhessen nur auf Rang 19 der Beliebtheitsskala bei Schülerinnen und Schülern, andere der traditionellen Sportarten dagegen liegen weit vor dem Turnen (vgl. Digel, 1996). Bei einer Befragung von 1651 Schülerinnen und Schülern weiterführender Schulen im Saarland findet sich weder bei den Jungen noch bei den Mädchen das Turnen in den Top Ten der Wunschsportarten (vgl. Wydra, 2001) und bei einer Befragung an neun ausgewählten Gymnasien in Baden-Württemberg findet sich Turnen nicht einmal bei den ersten 22 Nennungen der gewünschten Inhalte im Sportunterricht (vgl. Klenk, 2004).
Befragungen (vgl. Digel, 1996; Wydra, 2001; Klenk, 2004) zeigen uns, dass der bislang eingeschlagene Weg der primären Sportartenorientierung dem Turnen in der Schule nicht aus seiner Misere helfen kann. Die Doppelstunde Turnen schlägt daher einen neuen Weg ein, in der Überzeugung, dass für Schülerinnen und Schüler eine weitaus differenziertere Betrachtungsweise benötigt wird als für die turnbegeisterten Kinder in den Vereinen. Die Grundlage für den Integrativen Weg bietet der mehrperspektivische Ansatz von Dietrich Kurz (vgl. Kurz, 1988a).

Buch Turnen in der Primarstufe

Mit dem Band Turnen in der Primarstufe wurde ein Unterrichtskonzept entwickelt, mit dem Kinder im Grundschulalter dem Gerätturnen näher gebracht werden. Speziell auf die Rahmenbedingungen der Schule zugeschnitten, greift das Buch einfache turnerische Inhalte auf, die an wenigen Geräten durchführbar sind. Dabei wurde bewusst auf einen Materialbedarf geachtet, der einer durchschnittlichen Turnhalle entspricht, in der Schulsport mit Grundschulkindern stattfindet. Alle Stunden sind so konzipiert, dass auch Übungsleiter*innen und Trainer*innen im Verein damit arbeiten können.

Inhaltsverzeichnis Turnen in der Primarstufe

I Theoretische Vorüberlegungen
1 Grundschullehrpläne: Kompetenzbereich „Turnen“
2 Didaktischer Ansatz

  • Das Erfahrungskonzept von Ralf Laging
  • Das Konzept des Gruppenturnens von Marita Bruckmann
  • Das Körpererfahrungskonzept von Jürgen Funke-Wienecke
  • Das Sportartenkonzept von Wolfgang Söll

3 Planung der Stundenentwürfe

  • Aufwärmen
  • Dehnen
  • Kräftigung / Rumpfstabilisation

4 Helfen und Sichern
5 Turngeräte: Aufbau, Handhabung und Ausführungen

  • Gerätealternativen

6 Literatur

II Neun Stundenentwürfe für die Klassen 1 und 2
1 Rollbewegungen (Niko Nothdurft, Sven Lange)
2 Rollen und Springen (Judith Kieninger, Sven Lange)
3 Balancieren (Anna Hoke, Sven Lange)
4 Springen mit dem Sprungbrett (Sebastian Graf, Sven Lange)
5 Schaukeln und Schwingen (Jonathan Plodek, Sven Lange)
6 Überschlagen (Sebastian Appelrath, Sven Lange)
7 Springen mit dem Minitramp (Sebastian Graf, Sven Lange)
8 Bewegungsparcours (NN, Sven Lange)
9 Piratengeschichte (Sven Lange)

III Elf Stundenentwürfe für die Klassen 3 und 4
1 Spielestunde (Julien Witzemann, Sven Lange)
2 Rollbewegungen (Moritz Marx, Sven Lange)
3 Springen I (Thomas Belser, Marcello Raauscher, Sven Lange)
4 Synchron-Springen und -Turnen (Thomas Belser, Marcello Rauscher, Sven Lange)
5 Schweben und Überschlagen (Christine Salzmann, Lara Theiling, Sven Lange)
6 Überschlagen (Christine Salzmann, Lara Theiling, Sven Lange)
7 Le Parkour (Martina Fetzer, Daniel Lang,, Sven Lange)
8 Hüftaufschwung (vorlings rückwärts) ( Sven Lange)
9 Synchronspringen mit dem Minitramp (Moritz Marx, Sven Lange)
10 Balancieren (Martina Fetzer, Daniel Lang, Sven Lange)
11 Akrobatik (Lara Theiling, Sven Lange)

IV Fünf Stundenentwürfe für die Klassen 5 und 6
1 Bewegungslandschaft (Christiane Biebinger, Philipp Geiger, Verena Müller, Sven Lange)
2 Rad & Handstand (Christiane Biebinger, Philipp Geiger, Verena Müller, Sven Lange)
3 Springen an Kasten und Turnbock (Clara Ullrich, Sebastian Bosse, Sven Lange)
4 Hüftumschwung (vorlings rückwärts) (Anne Friedriszik, Steffen Bopp, Sven Lange)
5 Le Parkour (Jörg Albers, Volker Zehnle, Sven Lange)

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Buch Doppelstunde Turnen

Das Buch Doppelstunde Turnen geht detailliert auf die Situation in den weitertführenden Schulen ein, alle Inhalte lassen sich jedoch auch im Verein durchführen. Konzipiert sind die Stunden für 75 Minuten, denn Umziehen und Wegstrecken müssen im Schulalltag berücksichtigt werden. Jede Stunde enthält Aufwärmen, Hauptteil, Stundenausklang, damit sind die Stunden komplett vorbereitet.

Inhaltsverzeichnis Doppelstunde Turnen

I Turnen unterrichten
1. Turnen und die Sportart Gerätturnen
2. Turnen integrativ unterrichten
3. Helfen und sichern
4. Hallen, Geräte, Medien
5. Aufbau der Doppelstunden

II Sieben Doppelstunden für die Klassen 5 und 6 (10-12-Jährige)
1. Turnen in der Unterstufe
2. Doppelstunde 1: Abenteuerparcours I
3. Doppelstunde 2: Abenteuerparcours II (Turnen als Bauen)
4. Doppelstunde 3: Körperspannung
5. Doppelstunde 4: Schwingen (Schaukelringe und Barren)
6. Doppelstunde 5: Rundherum I (Rollen am Boden und Aufschwung am Reck)
7. Doppelstunde 6: Springen und Landen I (Sprung- und Landezirkel)
8. Doppelstunde 7: Springen und Landen II (Sprunggrätsche)

III Sieben Doppelstunden für die Klassen 7 bis 9 (13-15-Jährige)
1. Turnen in der Mittelstufe
2. Doppelstunde 8: Gleichgewichtsschulung
3. Doppelstunde 9: Rundherum II (Flugrolle)
4. Doppelstunde 10: Rad und Radwende
5. Doppelstunde 11: Springen und Landen III (Sprunghocke)
6. Doppelstunde 12: Felgen
7. Doppelstunde 13: Kippen
8. Doppelstunde 14: Gerätturnabzeichen

IV Sechs Doppelstunden für die Klassen 10 bis 12 (16-19-Jährige)
1. Turnen in der Oberstufe
2. Doppelstunde 15: Überschlagen I (Handstützüberschlag vorwärts über einen Kasten)
3. Doppelstunde 16: Überschlagen II (Handstützüberschlag vorwärts am Boden)
4. Doppelstunde 17: Kunststücke I (Flick-Flack)
5. Doppelstunde 18: Kunststücke II (Salto vorwärts und Trapezschaukel)
6. Doppelstunde 19: Kunststücke III (Salto rückwärts mit dem Minitrampolin und an den Schaukelringen)
7. Doppelstunde 20: Turnshow

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Weitere Doppelstunden

In der Buchreihe Doppelstunde Sport sind u.a. folgende weitere Titel erschienen

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