Die Anatomie des Rückens

Unser Rücken - ein Schutzschild für Vierfüßler - sorgt dafür, dass wir unseren Körper aufrecht halten können. Besonders die Wirbelsäule, aber auch die zahleichen Muskeln und Bänder übernehmen diese für den Menschen besondere Aufgabe.

Aufbau und Funktion der Wirbelsäule

Unsere Wirbelsäule ist keine Säule im Sinne des Wortes: Sie ist in einer doppelten S-Form gekrümmt. Die Halswirbelsäule ist nach vorne gebogen (Lordose), die Brustwirbelsäule dagegen nach hinten (Kyphose), die Lendenwirbelsäule wiederum nach vorne (Lordose) und Kreuz- und Steißbein leicht nach hinten (Kyphose). Durch diese doppelte S-Form ist die Wirbelsäule in der Lage, Bewegungen abzudämpfen. Auf diese Weise schützt sie den Kopf vor Erschütterungen.

Die Wirbelsäule hat 2 funktionell konkurrierende Aufgaben: Die Formstabilität zu wahren und gleichzeitig die größte Beweglichkeit zu ermöglichen. Die Stabilisierung muss dabei unter Wahrung ihrer Schwingung erfolgen.

Um diese Funktionen erfüllen zu können, haben Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule unterschiedliche Aufgaben. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule als Ganzes ist v.a. durch die Summe der einzelnen Abschnitte gegeben, die einzelnen Bereiche selbst weisen nur eine geringe Beweglichkeit auf. Die Halswirbelsäule (HWS) stellt den beweglichsten Teil dar, so wird die optische Wahrnehmung (von Gefahren) gewährleistet. Die Stellung der kleinen Wirbelgelenke ermöglicht Rotationsbewegungen, aber auch Vor- und Rückbeugen sind möglich. Die Brustwirbelsäule (BWS) ist mit den Rippen verbunden und erlaubt nur eine geringe Beweglichkeit der einzelnen Wirbel(-segmente). Die Lendenwirbelsäule (LWS) trägt mit ihren kräftigen Wirbeln die Hauptlast des Rumpfes. Zu Ihren Hauptbewegungsrichtungen gehören Beugen und Strecken.

Um in der Rückenschule den Aufbau der Wirbelsäule erklären und ihre Funktionen und Bewegungsrichtungen verdeutlichen zu können, ist ein Anatomisches Modell der Wirbelsäule hilfreich. Insbesondere flexible Wirbelsäulenmodelle mit Bandscheibenvorfall sind für solche Kurse ideal, denn dadurch wird die Rückenschule für die Teilnehmer greifbar.
Insgesamt finden wir ca. 33-34 Wirbel, wovon

  • 7 Halswirbel (C1-C7),
  • 12 Brustwirbel (T1-T12),
  • 5 Lendenwirbel (L1-L5), 5 Kreuzwirbel und
  • 4-5 Steißwirbel sind.

Die Kreuzwirbel und die Steißwirbel, sind zu einem einheitlichen Knochen, dem Steißbein, verschmolzen.

Aufbau eines Wirbelkörpers

Ein Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper, dem Wirbelbogen, der den Wirbelkanal umschließt, dem Dornfortsatz sowie den beiden Querfortsätzen. Im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark, das aus einer Unzahl von Nervenzellen und Nervenbahnen besteht, dessen Funktion darin besteht das Gehirn mit Informationen versorgen und in umgekehrter Richtung Befehle an die Muskeln und Organe zu übermitteln. Diese Nerven verlassen die Wirbelsäule, indem sie sich zwischen den Wirbeln hindurchzwängen. So wird verständlich, auf welche Weise verschobene Wirbelkörper oder die Bandscheiben Nerven einklemmen können und somit zu Schmerzen oder gar Ausfallerscheinungen kommen kann.

Bandscheiben

Die Bandscheiben sitzen zwischen den Wirbelkörpern und haben die Aufgabe, einem Kissen gleich, Stöße der Wirbelsäule abzudämpfen und das aufeinanderliegen zweier Wirbel zu verhindern. Über die Belastung, der die Wirbelsäule im Laufe eines Tages ausgesetzt ist - v.a. im Stehen und Sitzen - werden die Bandscheiben zusammengedrückt wobei Flüssigkeit herausgedrückt wird, so dass die Bandscheiben abends flacher sind als morgens und der Mensch abends kleiner ist als morgens - das macht zuweilen 3cm aus. Über Nacht oder aber wenn der Mensch liegt, werden die Bandscheiben ernährt (Diffusion), d.h. sie nehmen Flüssigkeit auf und erhalten dadurch wieder ihre ursprüngliche Größe. Je älter der Mensch wird, desto weniger Flüssigkeit kann die Bandscheibe speichern, so dass die Bandscheiben älterer Menschen flacher sind und damit ihre Dämpfungseigenschaft nach und nach verlieren.

Rumpfmuskulatur

Allein mit Wirbelsäule und Bandscheiben gelingt es dem menschlichen Körper noch nicht, aufrecht zu stehen. Hier spielen v.a. die Muskeln, die die Wirbelsäule umgeben, eine wichtige Rolle: die sogenannte Core-Muskulatur.

Der Rumpf erfährt über die Bauch- und Rückenmuskulatur eine dynamische Verspannung, die sich in außergewöhnlich differenzierter Weise allen Extremitäten- und Rumpfbewegungen anpasst. Änderungen in dieser Verspannung erfordert Änderungen im gesamten restlichen System - so dass Bauch- und Rückenmuskulatur nie isoliert voneinander, sondern immer als Ganzes agieren. 

Hier kommt ein wichtiges Prinzip des menschlichen Körpers zum Tragen: Das Zusammenspiel der Agonisten und der Antagonisten. Als Agonisten werden diejenigen Muskeln bezeichnet, die zusammen mit anderen Muskeln und in Abstimmung mit den Antagonisten, eine bestimmte Funktion wie Beugen oder Strecken übernehmen. Der Antagonist übernimmt dabei die gegenteilige Funktion. Wird etwa der Rücken nach vorne gebeugt, so wird die Bauchmuskulatur (Agonist) kontrahiert und die Rückenmuskulatur (Antagonist) gedehnt.

Beim Heben jedoch arbeiten beide Bereiche zusammen, etwa wenn wir in einer Hau-Ruck-Aktion einen schweren Gegenstand anheben und dabei die Luft anhalten. Es werden Bauch- und Rückenmuskeln angespannt und dadurch die Wirbelsäule um bis zu 50% entlastet.

Die stark gegliederten Rückenmuskeln entspringen von den Bögen der Wirbel und deren Fortsätzen. Unterschieden werden die meist platten, oberflächlichen Muskelschichten von den autochthonen Rückenmuskeln, deren Hauptfunktion die Streckung der Wirbelsäule ist. Zu den autochtonen Rückenmuskeln gehören die Muskeln des medialen Strangs, der in der Rinne zwischen Dorn- und Querfortsätzen liegt sowie den lateralen Strang, der vorwiegend aus langen Muskelzügen besteht. Dieser laterale Strang endet im Bereich der Lendenwirbelsäule im sogenannten Rumpfaufrichter (M. erector spinae), der aus zwei Anteilen zusammengesetzt ist: Dem langen Muskel (M. longissimus) und dem Hüftrippenmuskel (M. iliocostalis).

Die Bauchmuskulatur hat neben der Aufgabe, den Bauchraum und somit die inneren Organe zu schützen, die Eingangs erwähnte Funktion für den aufrechten Stand. Durch ihre unterschiedliche Verlaufsrichtung ermöglicht sie sehr differenzierte Bewegungen.

Unterschieden werden die Muskeln an der vorderen und der seitlichen Bauchwand sowie die Muskeln der hinteren Bauchwand. Die seitliche Bauchmuskulatur setzt sich aus drei Muskeln zusammen, die über Sehnenplatten mit dem geraden Bauchmuskel (M. rectus abdominis) in Verbindung stehen. Auf der Körperrückseite sind sie über die Lendenrückbinde mit der Wirbelsäule verankert. Bei den seitlichen Bauchmuskeln werden der äußere schräge Bauchmuskel (M. obliquus externus abdominis) und der innere schräge Bauchmuskel (M. obliquus internus abdominis) unterschieden. Als tiefste Schicht agiert der M. transversus abdominis (querer Bauchmuskel), der neben der Formung der Taille die Bauchpresse als Aufgabe hat.

Den Abschluss der hinteren Bauchwand erfolgt überwiegend durch den vieleckigen Lendenmuskel (M. quadratus lumborum), der bei beidseitiger Kontraktion den Rumpf nach hinten zieht und damit dem Rückenstrecker unterstützt, bei einseitiger Kontraktion dagegen beugt er den Rumpf zur Seite.

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