Sensomotorisches Training zur Schulung der Körperwahrnehmung

Jeder Wahrnehmung - im speziellen der Körperwahrnehmung - liegen sensomotorische Vorgänge zugrunde. Sinnesorgane können unterschiedliche Reize aufnehmen, diese werden im Gehirn oder auf Rückenmarksebene verarbeitet und mit motorischen Verhaltensweisen beantwortet. Jede Bewegung oder Haltung ist somit als Anpassung äußerer oder innerer Stimuli zu verstehen. Die sensorische Wahrnehmung ist also die Grundlage jeder Bewegung. Die Propriozeptoren registrieren dabei den Spannungszustand und die Bewegung der Skelettmuskulatur und der Gelenke. Sie sind daher essentiell für die Kontrolle der Körperhaltung. Die durch propriozeptive Sensoren in Muskeln und Gelenken gewonnene Information dient der Koordination von schnellen, über Rückenmarksneurone vermittelten Reflexen zur Körperstabilisierung. Dem zentralen motorischen System wird durch diese Rückenmarksreflexe die Planung und Ausführung von Bewegungen erleichtert, da ein Repertoire an grundlegenden Bewegungselementen bereits zur Verfügung steht, das unabhängig vom Kontext der Bewegung sinnvoll sind.

Sensomotorik und Propriozeption - Neuronale Aspekte

Sensomotorik und Propriozeption: zentrale Kontrolle oder Renshaw-Kontrolle (Renshaw-Zelle im Neuron) -> praesynaptische Hemmung (Stichworte: Interneuron, Afferenz&Efferenz)

Grundlagen der Körperwahrnehmung

  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen Wahrnehmung und Bewegung?
  • Welche Rolle spielen dabei Rezeptoren, wie können diese unterschieden werden und was ist deren übergeordnete Aufgabe?
  • Welche Wirkungsweise entfalten die einzelnen Rezeptoren?

Jeder Wahrnehmung - im speziellen der Körperwahrnehmung - liegen sensomotorische Vorgänge zugrunde. Sinnesorgane können unterschiedliche Reize aufnehmen, diese werden im Gehirn oder auf Rückenmarksebene verarbeitet und mit motorischen Verhaltensweisen beantwortet. Jede Bewegung oder Haltung ist somit als Anpassung äußerer oder innerer Stimuli zu verstehen. Die sensorische Wahrnehmung ist also die Grundlage jeder Bewegung.

Wahrnehmung hat nicht ausschließlich mit physikalisch-chemischen Prozessen zu tun, sondern berücksichtigt v.a. taktile, mechanische und propriozeptive Reize, die im ZNS verarbeitet werden. Der Wahrnehmungsprozess kann niemals abgeschlossen werden, sondern ist ein sich immer wieder erneuernder Regelkreis. Durch die Veränderungen der motorischen und sensorischen Erfahrungen werden bspw. die zentral-nervösen Reaktionen immer wieder anders ausfallen.

Die Verarbeitung und Interpretation der Informationen, die ständig aufgenommen werden, geschieht im ZNS. Besondere Bedeutung erfährt hierbei der Hirnstamm, in welchem alle sensorischen Informationen der Sinnesbereiche zusammen laufen und im Sinne von Hemmung oder Verstärkung bewertet werden. Wahrnehmung beginnt mit der Informations- und Reizaufnahme in bestimmten Nervenzellen - den Rezeptoren.

Rezeptoren

Die Rezeptoren, die die oben genannten Reize aufnehmen, können nach ihrer Lokalisation unterschieden werden in

  • extrinsische (exterozeptive) Rezeptoren
    - Telerezeptoren (Augen/Ohren) melden Veränderungen von Licht- und Schallwellen;
    - Mechanorezeptoren, die unterschiedliche Reize wie Druck, Reibung, Berührung
    registrieren (bspw. die taktilen Rezeptoren der Haut melden Berührungsveränderungen,
    die taktilen Rezeptoren der Unterhaut melden Druckveränderungen);
    - Thermorezeptoren melden Temperaturveränderungen;
    - Schmerzrezeptoren melden Schmerzen, die von der Oberfläche ausgehen;
    - Geruchsrezeptoren melden Veränderungen vom Geschmack.
  • intrinsische (propriozeptive) Rezeptoren
    Propriozeptoren sitzen in Sehnen, Muskeln und Gelenken und sind Bestandteil unserer Tiefensensibilität. Dazu gehören
    - Muskelspindeln, die die Längenveränderungen der Muskeln melden;
    - der Golgi-Sehnenapparat, der Spannungsveränderungen in den Sehnen meldet;
    - das vestibuläre System, das Bewegungen des Kopfes im Raum analysiert;
    - Druckrezeptoren, die im Gelenk Belastungsveränderungen melden und
    - Nozizeptoren, die Spannungs- und Schmerzempfindungen aus dem Körperinneren
    melden

Die extrinsischen Rezeptoren stellen die Verbindung zwischen Mensch und Umwelt her (Wärme, Kälte, Schmerz, Berührung), über die intrinsischen Rezeptoren läuft die Tiefensensibilität. Die Propriozeptoren liefern in ihrer Gesamtheit Informationen über

•  die Lage und die Bewegungen im Raum;
•  das Gewicht und den Umfang des Körpers oder seiner Teile;
•  die Muskelmasse und das Skelett;
•  den Innenraum und die inneren Organe.  

Funktion und Wirkungsweise von Rezeptoren

•  Über die Druck- und Berührungssinne wird die Beschaffenheit von Gegenständen (Größe, Form etc) bestimmt. Diese Wahrnehmung führt zu Feinabstimmungen der Bewegungsabläufe. Muskelspindeln und Gelenkrezeptoren geben Informationen über die Lage von Körperteilen zueinander und führen so zu gezielten Bewegungen. Das vestibuläre System gibt Auskunft über die Körperlage im Raum. Pro Sekunde werden viele tausend Informationen von unseren Sinnesorganen aufgenommen, die aber nicht alle bewusst registriert werden. Gleichbleibend starke Reize werden von den meisten Rezeptoren nach einer gewissen Zeit nicht mehr registriert, jede Änderung der Reizschwelle wird jedoch wieder neu registriert. Eine Bewegungskontrolle erfolgt durch ein Wechselspiel von anregenden und hemmenden Impulsen an die Muskulatur aus dem ZNS. Je besser dabei die Wahrnehmungsfähigkeit, desto besser ist das Begreifen der Umwelt und auch die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit (und somit wieder die Wahrnehmungsfähigkeit).

Propriozeptoren

Propriozeptoren registrieren den Spannungszustand und die Bewegung der Skelettmuskulatur und der Gelenke. Sie sind daher essentiell für die Kontrolle der Körperhaltung. Die durch propriozeptive Sensoren in Muskeln und Gelenken gewonnene Information dient der Koordination von schnellen, über Rückenmarksneurone vermittelten Reflexen zur Körperstabilisierung. Dem zentralen motorischen System wird durch diese Rückenmarksreflexe die Planung und Ausführung von Bewegungen erleichtert, da ein Repertoire an grundlegenden Bewegungselementen bereits zur Verfügung steht, das unabhängig vom Kontext der Bewegung sinnvoll sind.

Ein solcher Reflexbogen besteht aus folgenden Elementen: ·

  • einem (propriozeptiven) Sensor
  • einer ableitenden Nervenfaser (Afferenz)
  • gegebenenfalls einem zentralen Interneuron · einer zuleitenden Nervenfaser (Efferenz)
  • und schließlich dem Erfolgsorgan (Effektor), welches die Reflexbewegung ausführt.

Der Wirkungsbereich eines solchen Reflexbogens kann sich von einem einzelnen Muskel über ein Gelenk bis hin zur Koordination einer ganzen Extremität erstrecken. Ein Beispiel für einen Rückenmarksreflex der an einem Muskel wirkt ist der Dehnungsreflex oder Längenservo. Wird ein Muskel passiv gedehnt, so führt die hervorgerufene Erregung der Muskelspindeln über Nervenabzweigungen zur Erregung von Motoneuronen die den selben Muskel ansteuern. Diese Erregung wiederum bewirkt eine Kontraktion des Muskels, die der passiv dehnenden Kraft entgegenwirkt und daher die Muskellänge stabilisiert. Der Dehnungsreflex besitzt eine extrem geringe Latenz (..ms), weil afferente und efferente Fasern direkt aufeinander geschaltet sind (monosynaptische Verschaltung) und daher die Nervenleitungswege kurz bleiben. Werden zusätzlich die Motoneurone anderer Muskeln des Gelenkes erregt oder, über hemmende (inhibitorische) Interneurone, gehemmt, so entstehen Reflexe, die die Gelenkstellung stabilisieren, die Muskel- und Gelenksteifigkeit konstant halten sowie das Auftreten gewebsgefährdender Muskelkräfte verhindern (Muskelspindelreflex)

Die sensorische Wahrnehmung ist also die Grundlage jeder Bewegung. Die Propriozeptoren registrieren dabei den Spannungszustand und die Bewegung der Skelettmuskulatur und der Gelenke. Sie sind daher essentiell für die Kontrolle der Körperhaltung. Die durch propriozeptive Sensoren in Muskeln und Gelenken gewonnene Information dient der Koordination von schnellen, über Rückenmarksneurone vermittelten Reflexen zur Körperstabilisierung. Dem zentralen motorischen System wird durch diese Rückenmarksreflexe die Planung und Ausführung von Bewegungen erleichtert, da ein Repertoire an grundlegenden Bewegungselementen bereits zur Verfügung steht, das unabhängig vom Kontext der Bewegung sinnvoll sind.

Mit einfachen Übungen beginnend, wird die Funktionsfähigkeit des Zentralen Nervensystems angeregt, wodurch die Verarbeitung von äußeren Reizen leichter und effektiver von statten gehen soll. Das Nervensystem gewöhnt sich mit der Zeit an diese Übungen, so dass in der Folge der Schwierigkeitsgrad erhöht werden kann. Dazu kann entweder die Auflagefläche reduziert werden, oder man integriert Störungen von außen über zusätzliche koordinative Aufgaben wie Fangen und Werfen, Jonglieren, Drehen, Balancieren. Sehr intensiv ist das Training, bei dem die Augen geschlossen und somit ein wesentliches Sinnesorgan von der Reizübermittlung ausgeschlossen wird. Insbesondere soll im Gesundheitssport mit dem Balancetraining dem Alterungsprozess mit Blick auf die Motorik und Sensorik entgegen gewirkt werden, bei Kindern wird dagegen die Motorik und Sensomotorik zunächst grundsätzlich justiert.

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Tags: Sensomotorik
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